Comeback

Zum Leidwesen der Mannschaft bleibt festzustellen, dass ich meine Vorbereitung nun doch nicht wie angekündigt vollzogen habe. Die Gründe sind einfach und einleuchtend, zumindest für den Leser, der schon mal im Süden war. Folgende Entschuldigungen werden somit im Klassenbuch vermerkt: Hitze (35-37 Grad), Strand (s. Bild), Meer (auch s. Bild).

Gerade habe ich den Heimweg angetreten und schreibe diesen Text auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause. Sobald ich mich akklimatisiert habe (und zwar an diesen Temperaturunterschied von fast 10 Grad), geh ich wieder laufen. Echt. Versprochen. Vielleicht schon Montag oder Dienstag.

Der Wolf beißt oder wie Schweiß Pläne zerstört

Gestern war also der Tag an dem die „aktive Erholung“ starten sollte, und was soll ich sagen: Es war ein Erfolg! Den Schweinehund mit dem Stanley-Matthews-Übersteiger ausgetrickst und bei schlappen 27 Grad um neun Uhr morgens eine knappe halbe Stunde gelaufen. So viel zum positiven Start in den Tag. In den letzten Monaten habe ich noch nie so viel geschwitzt. Das diese Art der körperlichen Betätigung zu Schweiß-Sturzbächen den Körper hinunter führt war eine Sache, die Andere war bedeutungsvoller im Ergebnis: Der sagenumwobende „Wolf“ hat sich gemeldet, und das mit Nachdruck!

Für Leser die mit diesem Begriff nichts anfangen können, sei gesagt, es handelt sich um eine schmerzhafte, durch Reibung der schweißgetränkten Innenhose hervorgerufene, Wunde, die an den Innenseite der Schenkel zu finden ist. So viel zu den Details. Dieser Wolf ist einfach nur unangenehm und brennt wie Hölle, aber das schlimmste ist, dass er die Angewohnheit hat sich erst nach Tagen wieder aus de Staub zu machen. Das bedeutet für mich, eine Trainingspause von mindestens zwei Tagen. Wie ärgerlich!

Diese unangenehme Tatsache hat aber auch positives zu Folge: Ich werde einfach nur des Morgens frühstücken und meinen Weg an den Strand antreten und im kristallklaren Wasser der Adria meine Wunden pflegen und bei 35 Grad meinem Körper den Strahlen der Sonne aussetzen. Auch schön.

Aktive Erholung oder doch nur Strand?

Es ist Montagmorgen. Um kurz nach sechs klingelt der Wecker mit einem meiner Lieblingssongs: Die ersten Klänge meiner Wohlfühl-Hymne „Good Vibrations“ von den Beach Boys drängen in mein Unterbewusstsein. Ich reibe mir an meinem ersten Urlaubstag verwundert die Augen und stelle nach einem kurzen Blick in den Spiegel fest, dass halb sieben nicht die Zeit ist um gut auszusehen.

Der erste Urlaubstag bedeutet gleichzeitig der Beginn der Vorbereitung für die kommende Saison oder ist es einfach nur echter Urlaub? Diesem Gedanken nachhechelnd stromere ich ins Bett und packe nach der Dusche meine Reisetoilette in den kleinen Kulturbeutel. Diesen wiederum verstaue ich unter Mühen in meine Reisetasche und hoffe, dass nichts ausläuft – das Ergebnis werde ich in gut sieben Stunden sehen.

Aber ich schweife ab und wollte doch eigentlich von meinen Qualen der Saisonvorbereitung schreiben. Also, es ist der erste Tag der Vorbereitung und wie der geneigte Leser bemerkt hat, werde ich die Vorbereitung nicht mit meinem Mannschaftskameraden in Hamburg verbringen. Ich breche, in der Zeit in der sich Spieler sämtlicher Hamburger Amateurmannschaften durch die Parks der Stadt quälen, in meinen Urlaub auf. Und ich habe neben dem Strandoutfit auch an mein gutes Gewissen gedacht und die Laufschuhe eingepackt. Leider gehört auch der bekannte innere Schweinehund zu den Gepäckstücken und genau diesen gilt es nun in südlichen Gefilden zu bekämpfen.

Nach kurzem Flug bin ich nun im Reisedomizil angekommen und versuche mir vorzustellen, wie ich bei diesen Temperaturen entspannt meine tägliche halbe Stunde Laufen will. Aus den Winkel des kleinen Dorfes klingt Kindergeschrei und an meiner Ferienwohnung huschen braungebrannte, fröhliche Menschen vorbei, die den Gedanken an meinen Versuch der „aktiven Erholung“ gleich ad absurdum führen. Wie zum Teufel soll ich hier morgens laufen gehen, wo doch das klare Wasser der Adria in den Augen der Urlauber zu funkeln scheint. Mich überkommt der Gedanke, dass sich mir gerade einige Ausreden aufdrängen wollen, diesen morgendlichen Läufe partout zu unterlassen. Der Schweinehund hat sich also schneller akklimatisiert als ich. Und ich schließe mit einer Boxallegorie von Rocky Balboa: „This fight ain’t over till it’s over!“ Weise, weise, der Mann, weise.