Erster Spieltag – das erste blutende Knie

Als ambitionierter Amateurkicker des FC St.Pauli hat man es in diesen Tagen alles andere als leicht. Zwar wird die Hoffnung auf die Fertigstellung des Kunstrasenplatzes im Schatten des Millerntorstadions immer größer und die durch den Grandplatz verursachte, Schürfwunden an den Armen und Beinen hoffentlich bald weniger, doch bis dass kuschelige Kunstrasenfeld neben dem Bunker fertig ist, hat man nur Auswärtsspiele.

Ausgangssituation erster Spieltag
Letztlich bewahrheitet sich gerade am Anfang einer neuen Spielzeit, eine alte Wahrheit. New Season, same shit. Eine mit Studenten bestückte Mannschaft hat Mitte bis Ende August seine liebe Mühe ein Team voll zu bekommen, gerade wenn auch noch der verletzungsanfällige Kapitän seine Achillessehne erst wieder spürt, als die Saison losgeht und das Kücken des Teams sich lieber in der Allerweltsstadt Schwerin vergnügt, als sich auf dem Grandplatz gepflegt umholzen zu lassen.

Der schlimmste Moment eines Teamverantwortlichen ist immer der, wenn es darum geht, die Mannschaft für das kommende Wochenende zusammenzustellen. Die meisten Spieler lesen zwar ihre E-Mails, antworten dann auch, doch leider gibt es immer einige unter ihnen, die es dann doch nicht tun oder bereits vorsorglich die kommenden Anfragen in den Spam Ordner verschieben lassen.
Pünktlich am Freitag fragt man sich dann, wer eigentlich außer dem leider verhinderten Stammtorhüter noch so blöd sein kann, um auf knochenharten Grandboden hinter irgendwelchen Bällen her zuspringen. Genau das sind die Momente in denen ich dann doch mehr als froh bin, mit 1,66 m bestes „Icke Häßler“-Gardemaß zu besitzen und als potenzieller Fliegenfänger auszufallen. Eine Antwort bekommt man allerdings in den wenigsten Fällen und so muss entweder geknobelt oder ein Ersatzspieler dazu verdonnert werden. Doch wenn man nur elf Spieler zur Verfügung hat, fallen, wie am letzten Samstag, die Reservisten generell unter den Teppich.

Die Lust auf einen gepflegten Kick in der niedrigsten deutschen Fußballklasse vergeht in dem Moment, wenn weder Torwarthandschuhe noch eine einigermaßen schützende, lange Hose im Trikotkoffer sind. Das sind die Momente in denen ich mir regelmäßig die Frage stelle, warum ich jetzt nicht im Bett liegen, im Park sitze oder spazieren gehe. Nur gut, dass es dann doch Spieler im Team gibt, die ein Kraftfahrzeug führen dürfen und zu dem auch noch eines besitzen. Denn die können, während sich das Team mal wieder über den Genitalbereich eines Mitspielers unterhält, dann doch noch in aller Ruhe, eine halbe Stunde vor Spielbeginn eine adäquate Bekleidung für den im Tor stehenden Herren kaufen und sich so zumindest um das Aufwärmprogramm drücken. Und wenn dann endlich die Spielbekleidung und das Team vollständig sind, kann man sich doch noch auf das wesentliche konzentrieren, das Spiel.

Das Spiel

Unser Gegner ist das Team von Türkiye III. War ich vor dem Spiel kurzzeitig beunruhigt, dass sich vielleicht doch kein Unparteiischer die Mühe macht, dass Spiel zu leiten (die Kabine für den Mann in Schwarz bereits bei den zwei zu vor gespielten Partien verwaist), bin ich doch heil froh, wenn diese Befürchtung innerhalb der Spielklasse dann doch nicht bestätigt wird

Als der Unparteiische dann allerdings bei einem zu hohen Bein des Mitspielers auf Elfmeter entscheidet, wird einem schlagartig klar, dass man in der untersten Spielklasse immer wieder Dinge erlebt, die einfach nicht wahr sein können. Hatte ich bereits Schiedsrichter erlebt, die während des laufenden Matches eine Trinkpause einberaumten oder sich kurzerhand eine Regenjacke aus der Kabine holten, dann war ich über einen Strafstoß aufgrund von hohem Bein trotzdem geschockt.

Das Spiel hingegen machte dennoch tierisch Spaß, die zusammengestellte 5te Herren, die so nie wieder zusammenspielen wird, trotzte der Tatsache, dass die Vorbereitung schlechter war, aufgrund Platzmangel und spielte munter drauf los. Mit viel Fantasie konnte man der einen oder anderen Aktion sogar eine gewisse Struktur abgewinnen. Dank dieser ansehnlichen Spielstruktur konnte ich, nach einer schönen Flanke von der rechten Seite, bereits mein erstes Ziel in der neuen Spielzeit verwirklichen: Ich werde am Ende der Saison schon mal nicht als Nulltorestürmer dastehen. Einer Direktabnahme und fehlender Gegenspieler sei Dank. Im Nachhinein wäre ein Kopfballtor schöner gewesen, da sich der gegnerische Torhüter, seines Zeichens ein 1,70 m Hüne, aufgrund der drohenden Niederlage über meine Körpergröße lustig machte. Aber letztlich Stand es am Ende 2:1 für uns. Das war meine Genugtuung.

Sonntagmorgen nach dem Spiel
Trotz eines blutenden Knies und eines aufgerissenen Ellenbogens und der traurigen Erkenntnis, dass ein Schiedsrichter die Regeln nicht kennt, habe ich mir am Sonntagmorgen mit einer vom Sieg stolz geschwellten Brust, die am Ellenbogen klebende Bettdecke abgerissen und den Schmerz unter der Dusche, der einsetzte, als der erste Tropfen Wasser mein Knie berührt und aufhörte als sich das geschundene Körperteil mit der Jeans verklebte, ertragen, weil wir letztlich mit 2:1 gewonnen hatte. Als ich bim Bäcker stand um mein Frühstück erwerben wollte, beobachtete ich einen Spaziergänger mit seinem Hund. Ein Glück, dachte ich mir, dass ich ein cooles Hobby habe und grinste voller Stolz, als mich die Verkäuferin fragte, was mit meinem Ellenbogen passiert sei.

verfasst von Co-Autor

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